Verzollung und Einfuhrumsatzsteuer

Verzollung und Einfuhrumsatzsteuer

Werden in der Türkei gekaufte Teppiche oder Schmuckstücke nach Deutschland eingeführt, müssen diese ordnungsgemäß verzollt werden. Ferner ist die sog. Einfuhrumsatzsteuer abzuführen. Unter bestimmten Umständen kann mit einer Selbstanzeige einer Strafverfolgung begegnet werden. Mit Bedacht sollte man reagieren, wenn man nach der Rückreise plötzlich einen Anruf aus der Türkei erhält und davor „gewarnt“ wird, dass Zoll- und Finanzbehörden von einem nicht verzollten Souvenir erfahren könnten. Hier handelt es sich fast immer um besonders trickreiche Betrugsversuche.

In der Türkei gekaufter Schmuck/gekaufte Teppiche sind bei der Einfuhr nach Deutschland zu verzollen.

Bis zu einer Freigrenze von 430,00 EUR ist kein Zoll und auch keine Einfuhrumsatzsteuer fällig. Bei Überschreitung dieser Freigrenze ist die Einfuhrumsatzsteuer in Höhe von 19 % des Kaufpreises abzuführen. Bei Warenwerten bis 700,00 EUR wird ggf. eine geringere Pauschale für die Verzollung und Einfuhrumsatzsteuer von den deutschen Zollbehörden veranschlagt.

Ab einem Kaufpreis von 1.200,00 EUR benötigen Sie gemäß der Zollunion zwischen Deutschland und der Türkei einen schriftlichen Nachweis der türkischen Zollbehörden, dass Sie das Produkt in der Türkei erworben haben. Dieser Nachweis liegt in der Regel nicht vor. Die Rechnung des türkischen Händlers genügt nicht. So werden ohne diesen Nachweis Zollgebühren in Höhe von 2,5 % des Kaufpreises fällig.

Die Freigrenzen können bei einer Reise mehrerer Personen (z.B. Ehepartner, Kinder etc.) nicht addiert werden, denn sie gelten für nicht teilbare Gegenstände. Die Freigrenzen für Jugendliche sind übrigens deutlich niedriger. Auch wird die Freigrenze von 430,00 Euro bei teureren Produkten nicht angerechnet.

Entscheidend für den Zoll ist der Kaufpreis, nicht der Warenwert.

Oftmals wird in der Türkei gekaufter Schmuck zu deutlich überteuerten Preisen eingekauft. Dies ist in gewisser Weise doppelt ärgerlich, denn der Zoll bzw. die Einfuhrumsatzsteuer richten sich nach dem tatsächlichen Kaufpreis, nicht nach dem Warenwert. Erst wenn sich Händler und Käufer im Nachgang auf einen reduzierten Kaufpreis einigen oder einzelne Waren nicht abgenommen werden, kann dies ggf. auch gegenüber den Zollbehörden geltend gemacht werden. Wir raten in solchen Fällen zur Beratung durch einen Anwalt.

Nachforderungen bei nicht verzollter Ware.

Die nicht verzollte Einfuhr von Gegenständen über den jeweiligen Freigrenzen ist eine Straftat (Steuerhinterziehung). Eine Nachforderung ist somit tatsächlich denkbar. Mit einer vollständigen und sachgemäßen Selbstanzeige kann Straffreiheit erreicht werden, sofern die Selbstanzeige erfolgt, bevor Behörden Kenntnis vom Vorfall erhalten. Die Selbstanzeige kann durch einen erfahrenen Anwalt vorbereitet werden.

Schmuckkauf mit Folgen.

Häufig berichten uns Mandanten, dass sie von der Türkei aus angerufen werden. Die Anrufer warnen davor, dass die deutschen Zoll- und Finanzbehörden von der nicht verzollten Einfuhr des in der Türkei gekauften Schmucks erfahren könnten. Meist kann die Sache jedoch noch abgewendet werden, wenn entsprechende Zahlungen in die Türkei erfolgen. So plausibel die Geschichten zunächst klingen mögen, es handelt sich in aller Regel um Betrug!

Auf illegalem Wege verschaffen sich die Anrufer die Kundendaten der türkischen Schmuckhändler oder der Reiseveranstalter, die ihre Reisegruppen gezielt in entsprechende Schmuckmanufakturen schicken. Diese Adressen werden dann auf Verdacht kontaktiert, um die Verunsicherung der Urlauber bzgl. der nicht erfolgten Verzollung auszunutzen. In jedem Fall gilt: Zahlen Sie nicht! Eine Behörde wird niemals auf telefonischem Wege Zahlungen anfordern. 

Sollten Sie derartige Anrufe erhalten, kontaktieren Sie unsere Rechtsanwälte für eine Beratung. 

Ihre Ansprechpartner in Sachen Verbraucherschutz Türkei